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17.2.26

Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Unterwegs auf Eis und Kufen

Historische Zeugnisse für höfischen Wintersport

(ssg) Die Faszination für den Wintersport ist keine Erfindung der Moderne. Bereits im 17. Jahrhundert begeisterte sich sowohl die vornehme Welt als auch das einfache Volk für das Gleiten über gefrorene und verschneite Landschaften – aus Vergnügen, zur Fortbewegung oder als gesellschaftliches Ereignis. Mehrere Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg bewahren eindrucksvolle Zeugnisse dieser frühen Wintersportkultur.

Schloss Ludwigsburg, Tapisserie mit Winterszenen im Alten Hauptbau.Schloss Weikersheim, Detail der Dekoration des Rittersaals.Schloss Mannheim, "Schlittenpartie", Porzellangruppe Frankenthaler Produktion. Schloss Ludwigsburg, Tapisserie mit Winterszenen im Alten Hauptbau. Foto: Julia Stegele, ssg

Schloss Weikersheim, Detail der Dekoration des Rittersaals. Foto: Niels Schubert, ssg.

Schloss Mannheim, "Schlittenpartie", Porzellangruppe Frankenthaler Produktion. Foto: kulturer.be

Eislauf im Residenzschloss
Auf einem barocken Wandteppich im Alten Hauptbau von Residenzschloss Ludwigsburg sind Menschen auf Schlittschuhen zu sehen. Die Szene hat jedoch wenig mit einem olympischen Wettkampf gemein – sie zeigt vielmehr ein bäuerliches Vergnügen. Im Vordergrund des winterlichen Wimmelbilds ist eine Frau zu sehen, die auf dem Eis ausgerutscht ist und ihren Krug fallen gelassen hat. Im Hintergrund präsentieren geschicktere Eisläuferinnen und Eisläufer ihre Künste. Der Ursprung des Tapisserie-Motivs liegt in der niederländischen Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts, deren winterliche Alltagsszenen vielfach als Vorlagen für Tapisserien dienten. Denn in den wasserreichen Regionen des Landes mit all ihren Kanälen gehörte das Eislaufen zu den typischen Wintervergnügungen und wurde so auch zu einem beliebten, erzählerischen Bildthema.

Rarität aus der Stuttgarter Manufaktur
Die detailreiche Tapisserie steht in einem größeren Zusammenhang: Sie ist Teil einer Wandbehang-Serie. Die Tapisserien im Dianazimmer widmen sich den „Vier Jahreszeiten“. Höchstwahrscheinlich wurden sie in einer Stuttgarter Manufaktur gefertigt: 1698 hatte Herzog Eberhard Ludwig den französischen Teppichwirker Charles Leonhard Tellier nach Württemberg geholt. Dieser entstammte einer Familie aus Aubusson – einem bedeutenden Zentrum der europäischen Tapisseriekunst – und arbeitete in Stuttgart für den herzoglichen Hof. Die Manufaktur bestand bis 1739, wenige Jahre nach dem Tod des Herzogs.

Barocke Winterfreuden in Mannheim
Schnee und Eis konnten auch am Hof der pfälzischen Kurfürsten im 18. Jahrhundert den Anlass für ein besonders glanzvolles Wintervergnügen geben: die Schlittenfahrt. Eine kostbare Porzellangruppe im Barockschloss Mannheim zeigt eine solche Ausfahrt der Hofgesellschaft. Die Hofhandwerker fertigten dafür prunkvolle Gefährte, reich geschnitzt, bemalt und aufwändig gepolstert, gezogen von passend geschmückten Pferden. Auch in der Darstellung im Schlossmuseum sitzt eine elegante Dame im Schlitten, hinter ihr steht der Kavalier und führt die Zügel.

Tafelschmuck für besondere Anlässe
Die Schlittengruppe gehörte einst zur Ausstattung des kurfürstlichen Hofes und ist bereits im Inventar von Schloss Mannheim aus dem Jahr 1763 erwähnt. Aufbewahrt wurde sie in der Hofkonditorei: Solche Stücke dienten als kunstvoller Tafelschmuck des Dessertgangs, der die festlichen Bankette in überraschenden Kompositionen inszenierte. Vermutlich geht der Entwurf auf den führenden Frankenthaler Modellmeister Johann Friedrich Lück zurück. Fein gearbeitet bis ins Detail – vom Dreispitz und dem pelzgefütterten Samtmantel des Kavaliers bis zum Hermelinmuff der Dame – gehört die Miniaturplastik aus der kurfürstlichen Porzellanmanufaktur Frankenthal zu den herausragenden plastischen Arbeiten ihrer Zeit und ist heute in Schloss Mannheim zu bewundern.

Winterliches Vergnügen
Im Schloss Weikersheim zeigt die kassettierte und ausgemalte Decke des Rittersaals unter anderem auch ein winterliches Bild: Die 69 Leinwandbilder, die als bedeutendes Zeugnis der Jagdmalerei dieser Zeit gelten, stellen unterschiedliche Arten der Jagd dar. Auf einem der Bilder ist ein prunkvoller Schlitten zu sehen, der von einem galoppierenden Pferd gezogen wird und über das Eis gleitet. Im Jagdschloss Bebenhausen wird es mit der Lebensgeschichte der letzten Bewohnerin überraschend modern: Charlotte von Württemberg, die letzte Königin Württembergs, war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sportlich sehr aktiv – Skifahren gehörte selbstverständlich dazu.


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